Donnerstag, 13. Juli 2017

[REZENSION] Nachtblumen von Carina Bartsch

>>Nachtblumen<< ist das sensible Porträt eines Mädchens namens Jana, das nach Sylt kommt und eine zweite Chance bekommt. Getrieben von den Geistern ihrer Vergangenheit muss sie erst wieder lernen, sich selbst zu vertrauen und mit anderen Menschen klar zu kommen. Ihre Gefühlswelt wird auf den Kopf gestellt, als sie näheren Kontakt zu Collin bekommt, einem Mitbewohner, der verschlossen ist - und dem sie sich dennoch öffnet.





Dass Carina Bartsch mitreißend und vor allem unterhaltsam schreiben kann, hat sie in "Kirschroter Sommer" und "Türkisgrüner Winter" eindrucksvoll bewiesen. Wie viele andere auch habe ich mit Hals über Kopf in Elyas verliebt, gelacht, geweint und mich absolut gut unterhalten gefühlt. Ich war demnach gespannt auf Carinas neues Buch.
Und dieses ist ganz anders als die oben genannten.

Die Geschichte von Jana und Collin wurde in Stille geboren und in Stille breitet sie sich aus. Die Handlung ist unaufgeregt, Zyniker mögen behaupten, dass gar nicht allzu viel passiert, aber in diesem Buch geht es viel mehr um das Wie als immer nur um das Was. Janas Alltag ist nicht weiter spektakulär und kann mit dem eines Durchschnittsmenschen verglichen werden. Doch was Jana von anderen abhebt, ist ihre Scheu, sich anderen Menschen anzuvertrauen, die ihr neu sind. Sie ist skeptisch, sie braucht Zeit und auch, wenn sie sich Mühe gibt, reicht das manchmal nicht aus, um jemanden wirklich kennenlernen zu wollen. Carina Bartsch nähert sich Jana vorsichtig. Es braucht viele Seiten, um sie zu verstehen, viele Seiten, bis sie überhaupt etwas von sich zeigt und so viel Selbstbewusstsein gefunden hat, um zu sich stehen zu können.

Ähnlich verhalten sich die Dinge bei Collin, dem stillen Außenseiter, dem Künstler, der gern friert und am liebsten allein ist. 2/3 der Handlung wird er nur marginär erwähnt, es wird eher von ihm als mit ihm gesprochen. Dennoch liegt immer eine gewisse Spannung in der Luft, wenn es um Collin geht. Er übt Faszination aus - nicht nur auf Jana, sondern auch auf den Leser, der unbedingt wissen will, was hinter seiner stummen Fassade steckt.

"Nachtblumen" ist mit etw 540 Seiten ein für das Genre Liebesroman sehr langes Buch. Die Handlung hat Zeit gebraucht, um sich zu entfalten. Es gab öfters zwischendurch Szenen, die etwas langatmig zu lesen waren, aber dennoch wichtig für Janas Entwicklung und ihre Nachvollziehbarkeit. Ich kann sagen, dass mir das Buch zu lang und zu kurz war. Ein bisschen viel Einleitung, ein bisschen wenig Auflösung. Nach den ersten 300 Seiten hätte ich gern 300 weitere gehabt.

Carinas Schreibstil hat sich seit ihrem Debüt entwickelt, er ist leichter, poetischer und metaphorischer geworden. Vor allem in den letzten Wochen hatte ich Probleme damit, mich emotional auf eine Geschichte einzulassen, weil meine Gedanken oft an anderen Dingen hingen. Bei "Nachtblumen" musste ich mich nicht mal anstrengen, da war ich sofort "drin". Bei Jana, bei Collin, mittendrin in ihrem kaputten, wundervollen Leben.

"Nachtblumen" behandelt sensibel die Probleme zweier Jugendlicher, die erst noch lernen müssen, mit ihrem Ballast zu leben. Carina Bartsch nähert sich dem Thema auf eine sehr emotionale und mitfühlende Art und Weise, die mir sehr gut gefallen hat. Aus diesem Grund vergebe ich


Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Regina!

    "Nachtblumen" kannte ich bisher noch gar nicht, doch nach deiner begeisterten Rezension werde ich mir das Buch auf jeden Fall vermerken. Auch Cover und Klappentext finde ich sehr schön, deshalb glaube ich, dass ich mich gleich am Nachmittag mal an die Leseprobe wage. :) Vielen Dank fürs Vorstellen!

    Liebste Grüße
    Nina von BookBlossom

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    1. Sehr gern :)
      Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass es dir genauso gut gefallen wird wie mir :)
      LG Regina

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