Dienstag, 13. Juni 2017

[REZENSION] Cavaliersreise von Mackenzi Lee

Ein Bruder, eine Schwester, zwei Männer, die sich lieben, eine Reise quer durch Europa, Intrigen und Geheimnisse  - all das ist Cavaliersreise!

Doch worum geht es genau?

Gab es je ein abschreckenderes Beispiel für junge Bildungsreisende als Sir Henry Montague? Nach Montys Cavaliersreise wird der englische Adel seine Sprösslinge bestimmt nie wieder auf den Kontinent schicken! Irgendwie ist Monty immer in eine Tändelei verwickelt oder betrunken oder zur falschen Zeit am falschen Ort nackt (in Versailles! Am Hof des Königs!). Zwischen Paris und Marseille verlieren Monty, Percy und Felicity auch noch ihren Hofmeister, kämpfen gegen Wegelagerer und Piraten, gegeneinander (Monty und Felicity) oder gegen ihre Gefühle füreinander (Monty und Percy). Aber am Ende dieser abenteuerlichen Reise finden sie alle drei nicht nur zueinander, sondern auch zu sich selbst. (Quelle: Amazon.de)


Eine Einführung:

"Cavaliersreise" ist kein gewöhnliches Buch, kein Mainstream, kein 08/15, nichts schnell Geschriebenes, nicht daher Geschriebenes. "Cavaliersreise" besticht durch ein spannendes Setting, eine interessante Zeit und Probleme, die damals wie heute aktuell sind. Doch vor allem bestimmt "Cavaliersreise" durch einen: Monty. Und der hat mir besonders gut gefallen.

Monty:

Monty ist jung, Monty möchte leben und sich ausprobieren, er möchte die Welt sehen, sich selbst nicht zu ernst nehmen und Spaß haben. Doch vor allem möchte er eins: Mit Percy zusammen sein, dem Mann, den er im Geheimen liebt. Mir hat an Monty gefallen, dass er über sich lachen kann, dass er nicht so steif ist wie der Rest der Gesellschaft. Er geht seinen Weg, ist teilweise ein wenig zu impulsiv, aber hat das Herz am rechten Fleck. Auch wenn er splitternackt durch die Gärten von Versailles rennt oder einen Diebstahl begeht. Ich mag Monty, weil er nicht perfekt ist. Aber ich mag auch 

Felicity:

Felicity ist Montys Schwester und ganz anders als die jungen Damen in ihrem Alter. Sie langweilt das typische Leben der damaligen Zeit, das nichts für Frauen übrig hatte und ihnen gerade einmal das Sticken zutraute. Felicity kommt mit auf Cavaliersreise, ist eigenständig, selbstbewusst und leider doch sehr klischeehaft. Die Literatur bedient sich allzu oft Frauen, die aus ihren Gefängnissen ausbrechen wollen und ihren eigenen Weg suchen. Obwohl Felicity sehr typisch beschrieben wurde, mag ich sie. Sie ist jemand, mit dem man sich vorstellen könnte, lange Gespräche zu führen ohne sich zu langweilen. Aber da gibt es auch noch:

Percy:

Percy begleitet Monty ebenfalls auf seiner Cavaliersreise, er ist sein geheimer Freund und zwischen den beiden gibt es immer wieder Schwierigkeiten. Bei diesen geht es zum einen um die Tatsache, dass Homosexualität damals nicht gern gesehen wurde, zum anderen um Percys Hautfarbe, die ebenfalls zu Problemen führt. Hauptsächlich sind die Streitereien der beiden jedoch oberflächlich - und vielleicht ein bisschen kindisch, nach dem Motto: Er hat eine andere angesehen, jetzt rede ich nicht mehr mit ihm. Was am Anfang amüsant war, hat irgendwann nur noch genervt. Überhaupt bin ich mit Percy nicht wirklich warm geworden, er war verweichlicht, ein wenig zu in sich gekehrt und blieb, trotz detaillierter Beschreibung, für mich blass.

Die Schauplätze:

Ich habe eine Schwäche für Bücher, die Reisen thematisieren. In mir steckt eine Weltenbummlerin, ich würde am liebsten dauerhaft unterwegs sein. Da das nicht geht, helfen mir Reisegeschichten, diese Tatsache zu kompensieren, indem sie mich an fremde Orte bringen. Dies war auch in "Cavaliersreise" der Fall. Ich habe Europa gesehen - aber mit anderen Augen. Mackenzi Lee hat es geschafft, den Kontinent für mich lebendig zu machen und selbst Orte, die ich schon kenne, wie etwas Neues darzustellen. Jede Stadt hatte etwas Besonderes, in jeder Stadt habe ich mich gern aufgehalten.

Die Handlung:

Ganz ehrlich? Die ersten 100 Seiten waren schwierig. Ich hatte Mühe, mich mit den Charakteren anzufreunden und Schwierigkeiten damit, in die Geschichte zu finden. Vieles empfand ich als langatmig und ermüdend. Leider kam dieses Gefühl auch im Mittelteil immer mal wieder vor, obwohl der Plot als solches sehr schnelllebig und spannungsgeladen ist. Durch die vielen Schauplätze konnte man immer Neues entdecken. Gut gefallen haben mir außerdem die Gespräche der Protagonisten, weil diese viele kleine Weisheiten enthielten, die man nicht sofort erkannt hat, welche sich aber später herausgestellt haben. 

Fazit:

In ihrem Roman "Cavaliersreise" vereint Mackenzi Lee viele Themen, angefangen bei Rassismus, über Frauenrechte, Homosexualität und eine Vater-Sohn-Beziehung. Alle zusammen ergeben eine spannende Geschichte, die lesenswert ist, mich aber aufgrund einiger Kritikpunkte nicht ganz erreichen konnte. Aus diesem Grund gibt es von mir

 

 

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