Donnerstag, 25. Mai 2017

[REZENSION] Der Himmel über Appleton House von S. E. Durrant

Wer bist du, wenn du nicht weiß, woher du kommst? Wer kannst du werden, wenn du Wurzeln hast, diese aber nicht kennst? Wer bestimmt deinen Wert?






Ira und Zac müssen schon wieder umziehen – diesmal von einer Pflegefamilie ins Kinderheim. Es wird der erste Ort, an dem sie glücklich sind. Trotzdem: Ira sehnt sich nach dem Unmöglichen, nach einer richtigen Familie. Mit Mutter und Vater und einer eigenen Haustür. Aber die Geschwister sind nicht mehr klein und sie wollen zusammenbleiben. Keine guten Voraussetzungen. Am Ende finden sie dennoch ein Zuhause: in Martha, in Appleton House und in ihrem Garten. Und wenn der Abschied vom Kinderheim, von den Menschen dort, auch schwerfällt: Sie haben endlich ihr kleines Stück von Himmel gefunden. Für immer. (Quelle: Amazon.de)

Die Geschichte ist sehr kurz, das Buch eher ein Heftchen als ein wirklicher Roman. Ich hatte Bedenken, dass es nicht genug Kapitel gibt, nicht genug Seiten, um Ira und Zac lebendig werden zu lassen. 
Das ging mir etwa das erste Kapitel so.
Danach habe ich nicht mehr darüber nachgedacht - eigentlich habe ich über gar nichts mehr nachgedacht, weil ich so gefangen war von der Geschichte. So begeistert von Skilly, von Appleton House und den ganzen Schauplätzen, die S.E. Durrant für den Leser lebendig werden lässt. 

Die Geschichte wird von der kleinen Ira erzählt, der Schreibstil ist daher kindlich, aber nie übertrieben, immer glaubhaft. Ira schafft es, mit ihrer kleinen Stimme, Probleme anzusprechen, die wir auch heute, viele Jahre später, nicht lösen können. Sie klärt uns auf, teilt ihre Ängst - und legt manchmal so viel Weisheit in ihre Worte, dass man beim Lesen innehalten, mit dem Kopf nicken und ihre kleinen Wahrheiten sacken lassen muss.




Ira und Zac sind liebevoll, greifbar und authentisch. Doch das gilt nicht nur für die beiden, sondern für nahezu jeden Charakter in der Geschichte. Obwohl das Buch so dünn ist und es eine Vielzahl an handelnden Figuren zeigt, konnte ich zu jeder eine Bindung aufbauen. Sie sind alle vor meinen Augen lebendig geworden und ein paar von ihnen werde ich wohl noch länger bei mir tragen.

"Der Himmel über Appleton House" hat mich zum Lachen gebracht. Zum Weinen. Zum Hoffen. Zum Bangen. Er hat mir gezeigt, dass es auch in einer ungerechten Welt Liebe gibt. Dass Zusammenhalt überlebenswichtig ist. Und man manchmal so eng an seinem Herz halten muss, damit es einem niemand wegnimmt.
Ira und Zac sind etwas ganz Besonderes und sie haben es verdient, gelesen zu werden. Ich vergebe 4,5 Sterne und 12 Punkte.

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