Donnerstag, 23. März 2017

[REZENSION] The one memory of Flora Banks von Emily Barr

Du hast seit deinem 10. Lebensjahr Amnesie.
Ein paar Stunden lang kannst du neue Erinnerungen schaffen, aber danach
ist alles schwarz.
oder weiß.
wie ein unbeschriebenes Blatt Papier.
Du bist wieder ein Kind, wieder 10 - und nicht 17, wie du es eigentlich sein solltest.
Und das mehrmals am Tag.
Damit du nicht vergisst - nicht alles - schreibst du dir die Arme voll.
Flora, be brave - steht auf deiner Hand und genau das musst du sein.
Aber weißt du was? Du bist es.

Ich habe gerade eine 1 Sterne-Rezension zu diesem Buch gelesen und mein Herz ist gebrochen. Es ist in tausend kleine Teile zersplittert, die nun irgendwo da liegen, wo ich sie nicht mehr zusammensetzen kann.
Normalerweise sind mir andere Rezensionen egal. Aber das hat weh getan.

Kennt ihr Flora?
Wisst ihr, wer sie ist und was mit ihr passiert ist?
Das ist nicht schlimm - denn sie weiß es selbst nicht. Sie ist manchmal noch ein Kind, weil nur ihr Körper gewachsen ist - nicht ihr Geist. Andererseits zeigt sie manchmal, wie weit sie schon ist.


Flora kann sich an nichts erinnern.
Aber plötzlich bleibt ein Ereignis lebendig.
Und sie wacht alle paar Stunden auf. Aus dem Nirwana. Aus der Hölle, die ihr vollgeschriebenes Buch gegen ein leeres eintauscht.
 Doch da ist immer noch diese eine Erinnerung.
Und der jagt sie nach. Jeden Tag. Immer wieder.

Als ich das Buch gelesen habe, war ich Flora. Ich war das kleine große Mädchen, das so viel weiß - und dann wieder nichts. Ich war die junge Frau, die wild und wunderbar und großartig und zärtlich und all das sein kann, wenn man sie lässt. Ich habe Flora be brave auf meinen eigenen Arm geschrieben und wusste, egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich werde nie so mutig sein wie dieses Mädchen.

Das Lesen hat sich nicht wie lesen angefühlt. Dafür war ich zu sehr verschwunden.
Ich war Flora. Ich habe mit ihr gelitten, mit ihr gelacht - und die ganze Zeit saß ein dicker Kloß in meiner Kehle, der bis heute nicht verschwunden ist.
Ich habe mich gefühlt, als hätte ich meinen Kopf unter Wasser, als wäre ich kurz vor dem Ertrinken. Ich habe keine Luft mehr bekommen, bin an meinem Schmerz erstickt. Wahrscheinlich ist dieses Welt noch nicht bereit für Flora. Aber Floras sind es, die diese Welt am dringendsten braucht.

Das Buch ist keine Liebesgeschichte. Es ist keine Darstellung einer Krankheit. Es ist kein Selbstfindungsroman. Es ist lediglich die Darstellung einer 17-jährigen, eines groß gewordenen Mädchens. Eines besonderen, vergesslichen, wundervollen Mädchens.





Man lässt nicht viele Bücher an sein Herz - man gibt nicht vielen Büchern die Macht, einen zu verändern, einen zu vervollständigen, einen vor tausend ungeklärte Fragen zu stellen. Ich habe Flora Banks ohne Erwartungen gelesen ... und lag zertrampelt am Boden, als ich fertig war. Aber mit einem Lächeln.

Flora hat euch viel zu erzählen, gebt ihr eine Chance.

BISHERIGES JAHRESHIGHLIGHT! 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen