Mittwoch, 29. März 2017

[REZENSION] MÄDCHEN AUS PAPIER von Sina Flammang

Mari ist drei, als ihre Schwester in einem Kaufhaus spurlos verschwindet. Seit Mari sich erinnern kann, schwebt der Schatten der verlorenen Tochter über der Familie und lässt die Verschwundene beinahe realer scheinen als sie selbst. Als Annika nach zwölf Jahren wie aus dem Nichts wieder auftaucht, sind alle überfordert von diesem Geistermädchen, das verschlossen, unzugänglich und geheimnisvoll ist. Während die Eltern krampfhaft heile Welt spielen, fühlt Mari sich mehr und mehr verdrängt. Bis ihr irgendwann nichts anderes übrig bleibt, als selbst zu verschwinden. Zusammen mit ihren Freunden Clementine und Ole macht sie sich auf einen irrwitzigen Trip nach Italien – um am Ende doch zurückzufinden. (Quelle: Amazon.de)


Diese Geschichte hat im ersten Drittel alles richtig gemacht. Es geht um ein schwieriges Thema, dem man sich vorsichtig annähern sollte. Es geht um zwei Schwestern, die erst wieder zueinanderfinden müssen. Es geht um sehr viel verlorene Zeit, um Menschen, die nicht mehr dieselben sind und doch am Ort ihrer Kindheit aufeinandertreffen. 

Sina Flammangs Schreibstil ist ein Kunstwerk - und das behaupte ich nicht oft. Er ist poetisch, aber schlicht, an den richtigen Stellen metaphorisch und teilweise so intensiv, dass mir die Tränen in die Augen geschossen sind. Jedes Kapitel wird mit ein paar nachdenklichen Sätzen eingeleitet, die nie konstruiert oder gewollt wirkten, sondern immer richtig. 





Während dem Lesen habe ich sehr viele Emotionen durchstehen müssen: Hass, Wut, Liebe und Resignation. Mari als Protagonistin hat mir gut gefallen, sie war greifbar, real, echt und sehr nachdenklich. Auch die anderen Charaktere wirkten durch die Bank authentisch, dafür muss ich sie auch gar nicht alle mögen - aber wahrscheinlich macht genau das ihre Authentizität aus.

Was ich an diesem Buch gemocht habe? Dass es dir nichts vorgaukelt. Dass es dir nicht einredet, dass am Ende wieder alles gut wird und wir alle mit einem Lächeln aus diesem Leben scheiden. Dass es manchmal auch böse enden kann - und wir mit Verlust ebenso wie mit Trauer umgehen müssen.

"Mädchen aus Papier" war stellenweise unfassbar spannend. Womit wir an meinem Kritkpunkt wären, weswegen ich nicht die volle 5 Sterne Bewertung vergeben kann. Die ganze Zeit dreht es sich darum, wo Annika gewesen ist, was sie erlebt hat und welcher Mensch sie geworden ist. Leider erfährt man, bis auf die letzten Seiten, fast nichts und überhaupt - zu wenig. Viel zu wenig. Der Schreibstil und die Geschichte hätten Potenzial für weitere 100 Seiten gehabt, die ich gern gelesen hätte. 

Doch das ist nur ein bisschen Kritik neben einem Berg an Lob. Ich habe "Mädchen aus Papier" sehr gern gelesen und vergebe gute 4 Herzen.


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