Samstag, 4. Februar 2017

[SAMSTAGSGESTÄNDNISSE 1]


Drei Geständnisse:

1. Ich bin zu wenig.
2. Ich habe Angst vor meinen Worten.
3. Da kommt Großes auf mich zu - und ich bin zu klein.

Willkommen zu meinem neuen Format - Samstagsgeständnisse.

Jeden Samstag werde ich meine Woche reflektieren, euch berichten, was in den letzten Tagen anstand und mir Dinge eingestehen, die ich aussprechen muss, weil ich sonst ersticke.

Los geht's!

Am Montag bin ich aus Prag zurückgekommen und noch immer ganz verzaubert, umnebelt vom Geruch des Fremden. Das Reisen ist ein Teil von mir geworden und jeder neue Ort, den ich sehe, trägt dazu bei, dass die Sehnsucht in mir größer wird. Es geht mir gar nicht so sehr darum, wohin ich reise, es geht mir darum, wegzusein.
Wegzulaufen, zu verschwinden, verloren zu gehen.

Ich versuche, die Uni weitgehend aus meinem Social Media Leben rauszuhalten, aber heute kann ich sie nicht ignorieren, weil sie wie ein dunkles Omen vor mir steht, wie ein riesiger Felsblock meine Sicht versperrt und jeden meiner Gedanken bestimmt. Vor mir liegt eine Klausur (haha), aber verdammte drei Hausarbeiten und meine Examensarbeit. Zusammen sind das etwa 150 Seiten, die ich in drei Monaten schreiben muss und ich drehe jetzt schon durch.

Denn.
da.
ist.
so.
viel.
Wichtigeres.

Meine Bücher
Ich schreibe seit November an dieser Geschichte. An dieser einen, ganz besonderen Geschichte, die sich in mein Herz geschlichen und sich dort ein Haus gebaut hat. So eins, wie ich es schon immer haben wollte. Große Fenster, weitläufig, aber mit Rückzugsorten. Mein Buch ist genau das: mein Rückzugsort. Ich lebe in meinen Protagonisten, Luke und Ebony, und ja, sagt das nicht jeder? Ich verspreche euch: Ich tue es. Denn sie haben zu mir gefunden. In London, an einem stürmischen Tag im Oktober, waren sie einfach da. Ich stand vor ihnen mit offenem Mund, konnte es nicht fassen. Ihre Geschichte haben sie mir erst ein paar Wochen später erzählt, aber lasst es euch sagen: es ist eine gute. Eine mit Tränen und Waffen und Weinen und Schlägen und Trauer und Scherben.
aber.
Es ist eine gute.
Genau deshalb habe ich Angst vor dem Ende. Denn es liegt vor mir, zum Greifen nah, aber es ist, als wäre aus einer Worttänzerin eine Stumme geworden. Ich weiß, was ich sagen will, aber Wörter versagen. 

Und da ist diese ständige, andere Angst. Die Angst, der Druck, der kleine Gnom, der mir im Nacken sitzt und fragt, wieso ich nicht für Nachschub sorge, wieso tausend Personen tausend Bücher veröffentlichen und ich keins nachlege. Ich weiß, dass diese Gedanken lächerlich sind - denn im November ist erst Maskierte Weihnachten erschienen, aber in mir hat sich Unruhe eingenistet, dass ich zu langsam bin, dass ich nicht genug schreibe, dass ich
es nie schaffen werde, mal davon zu leben.
(Ja, ich setze mich gern unter Druck.)

Ich schlafe ein und mein Herz klopft.
Ich wache auf und mein Herz klopft.
Meine Gedanken sind voll und meine Taten leer.
Ich kann nur schreiben, wenn es um nichts geht - so wie jetzt. Denn das klappt überraschenderweise gut.

Stichwort gut:
Denn ich sollte lernen, das Gute zu sehen, es einzufangen und jede Ecke meines Zimmers damit zu tapezieren. Das Zimmer des Hauses, wo die Geschichte wohnt, die noch geschrieben werden muss.

Denn es gibt das Gute. Auch in dieser Woche.
Es gab Prag. Es gab Geschichten. Serien. Lachen. Puzzlen. Essen (Essen ist immer gut). Und es gibt diesen Moment, in dem ich in meinen Worten lebendig werde.
Vielleicht reicht das.
Und vielleicht reiche ich.
Doch in mir bleibt es gefangen, das große Aber.


Ich wünsche euch ein schönes Wochenende :)  .




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