Montag, 6. Februar 2017

[REZENSION ICH GEBE DIR DIE SONNE VON JANDY NELSON]

Eigentlich sollte das hier eine 3 Sterne Rezension werden. Denn eigentlich hat mir das Buch bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht gefallen.
Aber.
irgendwie.
hat es etwas in mir in Bewegung gesetzt.
Und.
irgendwie.
hat es mir glaube ich etwas gegeben.





Es geht um "Ich gebe dir die Sonne" von Jandy Nelson. Um euch einen Überblick zu geben, habe ich erst einmal den Klappentext:

Am Anfang sind Jude und ihr Zwillingsbruder Noah unzertrennlich. Noah malt ununterbrochen und verliebt sich Hals über Kopf in den neuen, faszinierenden Jungen von nebenan, während Draufgängerin Jude knallroten Lippenstift entdeckt, in ihrer Freizeit Kopfsprünge von den Klippen macht und für zwei redet. Ein paar Jahre später sprechen die Zwillinge kaum ein Wort miteinander. Etwas ist passiert, das die beiden auf unterschiedliche Art verändert und ihre Welt zerstört hat. Doch dann trifft Jude einen wilden, unwiderstehlichen Jungen und einen geheimnisvollen, charismatischen Künstler ... (Quelle: Amazon)

Am Anfang war ich neugierig. Gespannt. Hin- und hergerissen zwischen Meinungen, die meine Ansicht vielleicht schon vorher geprägt haben.
Die ersten 50 Seiten waren ein Kampf. Der "ach so tolle, von allen geliebte Schreibstil" hat mich in den Wahnsinn getrieben, ich fand ihn einfach nur übertrieben und blöd.

Jetzt, über 400 Seiten später, erkenne ich, dass der Stil Zeit gebraucht hat, um sich zu entfalten. Dass die Metaphern erst ab der Hälfte des Buches wirken und mich im letzten Drittel wirklich berührt haben. Würde ich nach schönene Stellen, nach besonderen Zitaten in diesem Buch suchen, gäbe es wohl hunderte. Viele haben mich zum Schmunzeln gebracht, viele haben etwas in mir angestoßen und einige mich zum Nachdenken gebracht. Jude und Noah sind, was das angeht, sehr besonders.

Die Geschichte an sich ist eine Geschichte voller Wirrungen, voller Missverständnisse, voller Hass und Versöhnung. Es geht um eine zerrüttete Familie. Vor allem aber geht es um Kunst.
(Vielleicht lag dort anfangs mein Problem, denn ich - wie ich schandhaft eingestehe -  habe keinen Bezug zu Kunst. Absolut keinen. Nichts, nada. Wenn ich vor einem Bild stehe, ist es so, als würde ich auf ein leeres Feld starren. Ich fühle nichts. Ich verstehe es nicht, das gebe ich gern zu. Aber Kunst und ich sind zwei verlorene Seelen, die nie zueinander finden werden.)
Und doch hat Noah es geschafft, die Kunst für mich zum Leben zu erwecken. Nicht für immer, nicht für lange Zeit. Aber für die Dauer seiner Geschichte. Er ist wahnsinnig leidenschaftlich und diese Passion spürt man in jedem Wort.

Jude ist eifersüchtig und störrisch, aber nicht weniger begabt. Sie befindet sich in einer Phase irgendwo zwischen Selbstfindung und Selbstzerstörung. Und sie verliebt sich, obwohl sie der Männerwelt abgeschworen hat.

Jude und Noah sind besonders. Aber Jude und Noah waren nicht immer einfach. Nach 477 Seiten sind sie mir ans Herz gewachsen, aber es hat gedauert, bis ich mich für sie interessiert habe. Minimum die erste Hälfte, wahrscheinlich sogar länger.

Wieso wollte ich erst nur drei Sterne geben?
Sprache top, Plot ... nun ja, nicht flop, aber ausbaufähig. Ich mag die verschiedenen Sichtweisen, die unterschiedlichen Jahre und das Zusammenführen am Ende. Trotzdem finde ich, dass in einem sehr dicken Buch sehr wenig passiert. Und dass immer wieder das Gleiche passiert.

Mh.
Und doch.
Werde ich in Zukunft am besten auf mehrere Pferde setzen. 

 

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