Montag, 27. Februar 2017

[REZENSION] Ein bisschen wie Unendlichkeit von Harriet Reuter Hapgood

Manche Bücher verdienen Lobgesänge, manche Bücher brauchen eine Hymne. Manche Bücher dürfen nie vergessen werden, manche Bücher sind so zauberhaft, das ich mir jetzt ertwas eingestehe:

Ich bin verliebt.







»So ist es, wenn man jemanden liebt.
So ist es, wenn man um jemanden trauert.
Ein bisschen wie Unendlichkeit.«
Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären.
Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben – bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

Vornewg: Der Klappentext bekommt von mireine 5-. Bis auf das Zitat, das eine 1 bekommt, mag ich ihn überhaupt nicht. Er erinnert mich von der Schreibweise an Tell me three things und das war eine traumatische Erfahrung.

Klappentext 5-, Inhalt 1?
Vielleicht nicht so ganz so krass, aber doch nahezu.

Ich mag Gottie nicht.
Thomas auch nicht.
Eigentlich mag ich niemanden aus diesem Buch.

Aber wisst ihr, was ich unwiderbringlich liebe?
Die Geschichte. Die Art der Erzählung. Die vielen, klugen Sätze, das ganze Mathematik-Universums-schwarze-Löcher-was-weiß-ich-Gedöns, was ich zwar nicht vollkommen verstanden habe, das sich bei mir aber eingebrannt hat wie ein Tattoo.

“The Uncertainty Principle states that you can know where a particle is, or you can know where it's going, but you can't know both at the same time. The same, it turns out, is true of people. And when you try, when you look too closely, you get the Observer Effect. By trying to work out what's going on, you're interfering with destiny. A particle can be in two places at once. A particle can interfere with its own past. It can have multiple futures, and multiple pasts. The universe is complicated.”  

Ich mag Bücher, die mit Wahrscheinlichkeiten spielen. Die das Universum berechnen, die die Welt, so wie sie ist, nicht einfach nur hinnehmen, sondern berechnen wollen. Die so klug erzählt und dermaßen verschachtelt sind, dass man zunächst über die Geschichte, dann aber unweigerlich über sein eigenes Leben nachdenkt. Weil es unweigerlich zusammenhängt.

“This is what it means to love someone. This is what it means to grieve someone. It’s a little bit like a black hole. It’s a little bit like infinity.”

"Ein bisschen wie Unendlichkeit" spielt mit menschlichen Gefühlen. Mit Trauer, Wut, Verwirrung. Mit Dingen, die wir hätten anders machen können und die uns in eine andere Welt gebracht hätten.

Ich habe einmal gelesen, dass es um Parallelwelten geht, um verschiedene Universen, aber das stimmt nicht. Es sind vielmehr die tausend Gedanken, die wir uns täglich machen, das ganze: Was wäre, wenn...?

“And as he looks at me, I suddenly get it. This isn't the Big Bang. It's just summer. But it's still love. It's still something.” 

Trauer, in ihrer reinsten Form, kann einen Menschen zerstören. Sie hat, in ihrer reinsten Form, Gottie zerstört. Nun ist sie hin- und hergerissen, zwischen Zeiten, Universen, Alternativen und Realitäten. Aber es ist nicht nur das, es ist mehr, es ist Thomas, es ist Ned, es ist Sof, es ist ein bisschen wie Unendlichkeit.

Ich weiß, meine Rezension ist nicht sonderlich produktiv, aber das liegt daran, dass das WAS der Geschichte mich lange nicht so berührt hat wie das WIE. Und gerade wegen des WIEs solltet ihr sie unbedingt lesen.

Für Fans von Nicola Yoon, John Green und Krystal Sutherland.
Und für jeden, der in der Unendlichkeit des Universums verloren gehen möchte.





Hier geht's direkt zu Mii's Bücherwelt, die das Buch auch rezensiert hat :). Schaut vorbei :).

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